Als er nach Hause kam, roch es nach gebratenem Fisch im Stiegenhaus. Er blieb eine Weile auf dem Treppenabsatz stehen um sich auszuruhen und sog die duftende Luft wie Rauch in seine Lungen. Sie machte ihn hungrig und ließ ihn an eine kleine Küche denken, in der er als siebenjähriger oft gesessen war, an einem Holztisch auf dem immer Buntstifte und ein verwelkender Blumenstrauß standen. Auf eine seltsame Art und Weise beruhigte es ihn, hier in diesem sonnigen Stiegenhaus an einem Samstagmittag zu stehen und an diese zwei Dinge zu denken. Irene fiel ihm ein, obwohl er nicht genau wusste, warum. Ihr Atem hatte immer leicht nach Rotwein, und manchmal auch nach Schokolade gerochen. An dem Nachmittag aber, an dem er sie zuletzt gesehen hatte, roch er nach gar nichts. Ihm fiel das Licht in ihrem Wohnzimmer ein, es war ein kaltes Wintermorgenlicht gewesen, das fahle Sonnenstreifen auf die Teppiche warf. In einem dieser Streifen hatte sie gestanden, mit dem Messer in der Hand, das sie aus der Küche geholt hatte, um den Kuchen in 13 genau gleichgroße Stücke zu schneiden, weil Kinder ja meist einen großen Sinn für Gerechtigkeit haben, wie sie ihn eine Stunde zuvor belehrt hatte.

21.7.15 22:11
 


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